Traveling Shapy – Reiseblog

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Fraser Island

Folgender Bericht über Fraser Island umfasst 9 Tage und fällt wohl detaillierter aus als die letzten Berichte die ich geschrieben habe, für mich eine Art diese Insel zu ehren und die extremen Erfahrungen die ich hier sammelte zu verarbeiten.Fraser

Die Karte zeigt die Wanderroute die wir abgelaufen sind. Gestartet haben wir an der Westküste in Kingfisher Bay und sind dann Richtung Ostküste zu Eurong, von dort aus ab in den Norden und dann wieder zurück.

 

Evtl ist es dem Einen oder Anderen aufgefallen das ich „wir“ geschrieben habe und zwar hatte ich Begleitung auf diesem Trip. Ist für mich das erste Mal das ich in meinen Berichten eine Person mehr mit einbeziehen werde als es sonst der Fall war, jedoch ist es auch erforderlich für diesen Bericht.

 

Carita

Carita

Carita: Eine finnische Backpackerin die ich in Brisbane kennen gelernt habe. Hat irgendwas Soziales studiert und ist 21 Jahre alt. Eigentlich wollten wir zusammen in Bundaberg auf einer Farm arbeiten, jedoch waren wir da nicht die einzigen da die Anzahl der Backpacker verdammt groß war. Deswegen hat sie sich entschieden mit mir auf Fraser Island zu gehen.

 

 

Tag 1: Ankunft in Hervey Bay um 6 Uhr in der früh, geschlafen haben wir nicht da wir bis 3 Uhr morgens auf den Bus gewartet haben und die paar Stunden im Bus konnten wir uns auch nicht recht erholen. Also komplett erschöpft machen wir uns auf die Suche nach einem Hostel in welchem wir unser Gepäck verstauen konnten. Danach mussten wir noch Vorräte und Wasser kaufen um genug Proviant für Fraser Island zu haben. Schlussendlich sind wir dann knappe 12 Stunden später an Kingfisher Bay angekommen. Der nette Tourguide hat uns dann auch gleich gesagt wo wir hin müssen um unsere Wanderung anzutreten und hat uns versichert wir brauchen 2-2,5 Stunden bis zu unserer ersten Station.

 

Also am Strand, welcher mit Millionen kleiner Krebse übervölkert war entlang bis wir dann in den Wald sind um Richtung Lake Mc Kenzie zu gehen. Nach kurzer Zeit machte sich auch gleich eine große Veränderung der Umgebung bemerkbar. Da Wildfeuer in Australien recht häufig sind gewöhnt man sich an verkohlte Bäume schnell, jedoch trifft das nicht auf Fraser Island zu. Der Sand ist weiß und das gemischt mit einem schwarzen Wald und vereinzelten grünen Pflanzen gibt dem ganzen doch einen gewissen Reiz. Also wanderten wir auf diesem Stück fremden Planeten bis zur Abenddämmerung. Prinzipiell wären wir schon längst an unserem Ziel angekommen wenn der Guide auch recht gehabt hätte, später fanden wir heraus, dass man für diese Strecke 4-4,5 Stunden braucht. Somit waren wir auch gleich am ersten Tag gezwungen im Wald unser Zelt aufzuschlagen.

 

Fraser Island

Lake McKenzie auf Fraser Island

Tag 2-3: Die erste Nacht haben wir glücklicherweise gut überstanden und konnten dann auch gleich wieder weiter auf dem fremden Planeten Richtung Lake Mc Kenzie wandern. Unglücklicherweise ging uns langsam schon das Wasser aus und wir hatten eine nicht überschaubare Strecke zu unserem Ziel. Wir hatten also berechtigterweise etwas Angst, dass wir hier verdursten. Glücklicherweise trafen wir Andrew und seine Familie die mit ihrem Auto auch Richtung Lake Mc Kenzie unterwegs waren. Diese netten Australier haben uns dann auch gleich den Weg erklärt und uns Wasser gegeben. Danke hier an Euch für die erste Rettung von euerer Seite.

 

Als wir dann endlich am Lake Mc Kenzie angekommen waren konnten wir auch gleich unser Zelt aufschlagen und etwas zu entspannen. Kurze Zeit später fing es auch schon zu regnen an und die Wolken hatten nicht vor uns mit ihren Ergüssen für die nächsten Tage zu verschonen. Also

Fraser_Island_sonnenuntergang

Sonnenuntergang auf Fraser Island

waren wir gezwungen 2 Nächte an Lake Mc Kenzie zu verbringen. Im Endeffekt war es nicht der schlimmste Ort um festzustecken, den dieser See ist einer der klarsten und reinsten die ich in meinem Leben gesehen habe. Dazu kommt der weiße Sandstrand an welchem man den Eindruck gewinnt das man auf einer tropischen Insel liegt, anstatt an einem Süßwassersee.

 

Tag 4: Nachdem wir endlich mal etwas Ruhe vom Regen hatten entschlossen wir uns nach Eurong zu wandern, eine der „Städte“ in Fraser Island. Im Endeffekt gab es nur einen überteuerten Shop, ein Restaurant und ein Hotel, aber die anderen Städte sollten nicht anders sein. Der Weg Richtung Ostküste von Fraser Island hatte viele Facetten. Am meisten hat mich wohl verwundert, dass wir innerhalb von 4 Stunden eine Vielzahl von unterschiedlichen Wäldern durchquert hatten. Da gab es einmal den grünen Regenwald, den europäisch aussehend Wald und einen der mich an Magnet Island erinnerte. (diesen muss man sich folgendermaßen vorstellen: uralt aussehende Bäume und Gräser auf einem trockenen Untergrund. Dazu kommt noch die ständige Geräuschbelästigung der Käfer)

 

Wald_Fraser_island

Wald auf Fraser Island

Das war für mich eines der Highlights, diese Variationen von Wäldern zu sehen. Leider nahm auch das ein Ende denn wir kamen an unserem Ziel an. Wie gesagt es nannte sich Eurong und lag mitten an der Küste von Fraser Island. Der Strand selbst war unnachgiebig, ein ständiger Luftzug und meterhohe Wellen die Sprühnebel auf unser Zelt nieder regnen ließen. Nichts des so Trotz war es toll hier zu übernachten schließlich hat man nicht jeden Tag das Meer vor der „Tür“.

 

 

Tag 5: Dieser Tag sollte wohl einmal mehr unsere Ausdauer unter Beweis stellen. Die Ostküste von Fraser Island ist 75 km lang und sieht wohl fast immer gleich aus. Nimmt man diesen Fakt und überlegt nun wie langweilig und demotivierend eine Wanderung auf dieser Küste ist. Hinzu kommt das hier ständig Geländewagen mit Touren vorbeifahren und teilweise genügend Platz hätten uns mitzunehmen, aber die meisten haben es wohl vorgezogen uns nur zu winken. (Vielen Dank dafür aber das bringt wirklich nichts 😀 )

 

Aber auch wir sollten nach 4,5 Stunden Glück haben, denn ein deutsches Pärchen hatte erbarmen und hat uns mitgenommen.

Fraser_Island_auto

Unsere Mitfahrgelegenheit

An dieser Stelle einen herzlichen Dank an Mike und seine Freundin. Durch diese beiden Netten durften wir dann auch das Schiffswrack und einige andere Sehenswürdigkeiten am Strand sehen die wir ohne ihre Mitfahrgelegenheit auslassen hätten müssen. Das Wrack selbst war ein weiteres Highlight für uns und endlich auch mal wieder Gelegenheit die Kameras zu zücken.

 

Tag 6: Nachdem wir eine weitere Nacht am Strand verbracht haben ging es nun wieder ins Landesinnere um den Rückweg anzutreten. Der Weg von Happy Valley zum Lake Garawonga war nicht wirklich lang aber sehr hügelig was dann doch an der Kraft zerrt. Der See selbst ist ganz anders als Lake McKenzie, hier hat man wirklich den Eindruck an einem europäischen See zu stehen wenn man die Farbe des Wassers betrachtet.

 

Unser Zelt war diesmal keine 2 Meter vom See entfernt und das war für mich einfach genial, viel kürzer ins „Bad“ geht’s wohl gar nicht mehr. Dennoch sollte unsere gute Laune die wir anfangs hatten

Zelt_Fraser_Island

Unser Zelt

natürlich rege durch ein tragisches Problem gestört werden. Als wir gerade unser Abendessen kochten ging dem Gaskocher der Saft aus, an sich auch kein Problem den wir hatten ja noch eine Gaskartusche in Eurong gekauft. Wie immer kommt alles anders als man denkt, denn genau diese neue Kartusche hatte einen anderen Anschluss und war für uns also nutzlos.

Nun standen wir vor der Entscheidung die Wanderung abzubrechen oder versuchen einfach ohne warme Mahlzeiten weiter zu kommen. Diese Sache zerrt zugegebenermaßen an den Nerven und der Motivation. Schlussendlich habe ich mich dazu entschlossen die National Park Regeln zu brechen um auf die alte Weise zu kochen und zwar mit Hilfe von Lagerfeuern.

 

 

Tag 7: Der erste Schock erwartete uns in der früh als wir 2 Löcher in unserem Zeltboden entdeckten, als dann auch noch ein paar Löcher in unseren Vorräten waren, war die Befürchtung berechtigt das wir einen nächtlichen Besucher hatten. Jedoch kann ich von Glück sagen das der Dieb nur leere Sachen mitgehen hat lassen. Danach ging es ans erste kochen ohne Gas.

 

Nachdem das erste Lagerfeuer geglückt war und wir keinen Waldbrand verursacht hatten (Carita hatte da eine riesen Angst davor) ging es weiter Richtung Valley of the Giants. Wieder eine komplett andere Umgebung, wirklich riesige Bäume in einem Regenwald typischen Ambiente.

 

Also kämpften wir uns durch massig nasses Laub, welches ein beliebter Lebensraum für Leaches (nagelt mich nicht fest ob das richtig geschrieben ist) ist. Diese Viecher kann man mit Blutegeln in Deutschland vergleichen nur das sie eben im Wald leben und noch etwas ekelhafter und verbissener sind. Nun stellt euch die zwei Wanderer mitten im Regenwald vor, die sich stündlich nach Egeln absuchen das musste ein herrlicher Anblick sein.

 

 

Fraser_island

Fraser Island

Nach einigen Stunden kamen wir dann auch zu einem Blowout Punkt. Diese Flecken sind nicht bewachsene Plätze auf Fraser Island an welchen sich der Sand auftürmt. Nun stelle man sich vor man wandert im Wald und kommt plötzlich an diese Wand aus gelben Sand die selbst die Bäume überragt. Ein unwirklich erscheinender Platz aber die Aussicht die man von diesen Bergen hat ist atemberaubend.

 

Tag 8: Nach einer meiner schrecklichsten Nächte meines Lebens – naja was will man erwarten wenn man mitten in der Nacht aufwacht, wirklich nichts sieht und dann einen Blutegel an seinem Kopf fühlt. Weg war er schnell doch die Flüssigkeit die meinen Kopf runter ran war wohl Blut was man am nächsten Tag dann auch gut sehen konnte – ging es weiter Richtung Lake Wabby. Dieser See war wieder ein unwirklich erscheinender Flecken Erde auf Fraser Island. Auf der einen Seite des Sees nur Sand auf der Anderen undurchdringbarer Regenwald.

 

 

Lang konnten wir nicht verweilen da wir von einer Horde Bremer verfolgt worden sind, man muss dazu sagen so lästig sind sie nicht, aber Carita hatte wohl eine nichtüberwindbare Angst vor diesen kleinen Biestern. (hier muss man sagen hat mich doch etwas überrascht da man

See_Fraser_Island

Lake McKenzie auf Fraser Island

nicht den Eindruck von ihr gewinnt, aber was erwartet man schon von Frauen 😀 )

Nach einem weiteren Sandblowout kamen wir nach einigen Stunden wieder an Lake McKenzie an und konnten dort auch gleich mal die Sonne genießen. War schon ein gewaltiger Unterschied diesen See noch einmal zu sehen und das bei gutem Wetter.

 

 

Als mich dann ein Mann im Wasser ansprach mit dem Satz „u were the guy who camped in the wild in the last days“ war ich am Anfang ziemlich überrascht und verängstigt – den Wildcampen wie wir es ein paar mal gemacht haben ist verboten – aber es stellte sich raus das es Andrew war der uns am zweiten Tag unserer Reise

Schlange_Fraser_Island

Schlange beim Wandern

Wasser gegeben hat, ich hatte ihn nur nicht so schnell erkannt wie er mich.

 

Wir gesellten uns gleich zu seiner Familie die hier jedes Jahr auf Fraser Island Urlaub machen und hatten ein angenehmes Gespräch. Schon komisch wie man so was vermisst wenn man nur seinen Wanderpartner sieht und das für einige Tage.

 

Schlussendlich nahmen sie uns ein Stück mit bis zur Kingfisher Bay und ersparten uns somit einige weitere Kilometer, man könnte fast sagen sie rettenden uns das zweite Mal das Leben.

 

So konnten wir den Abend entspannen und sogar Essen gehen und brauchten nicht viel mehr als am nächsten Tag das Zeug zu packen und auf die Fähre zu gehen.

 

Tag 9: Viel bleibt nicht zu sagen, wir kamen wieder in der Zivilisation an und konnten endlich wieder Duschen und Betten genießen !

 

Letztendlich war es ein unglaubliches Abenteuer und ich hätte es mir nicht anders wünschen können. Ich lernte einen Menschen wirklich gut kennen, es ist schon eine Herausforderung mit einer Bekanntschaft 24 Stunden für mehrere Tage zusammen zu reisen. Dafür habe ich nun eine wirklich gute Freundin mit welcher ich hoffentlich noch mehr in Australien machen kann.

 

Bleibt nur noch zu sagen: nächstes Mal mehr Essen einpacken und Gaskartuschen die passen.

 

Wandern_Fraser_island

Mein Wanderoutfit

Vielen Dank an Andrew und seine Familie, Mike und seine nette Freundin. Zu guter letzt natürlich noch Carita ich hoffe wir haben weiterhin guten Kontakt und sehen uns in der Zukunft noch mal, außerdem hat sie mich davon überzeugt das auch Frauen wirklich extreme Situationen gut meistern können.

 

Das war alles von Fraser Island, einfach ne hammerharte und –geile Zeit !

 

 

 

Quatschen macht Spaß !