Traveling Shapy – Reiseblog

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Blogparade: Sicherheit auf Reisen – Meine Erfahrung mit einer Gang in San Salvador


Dies ist meine allererste Blogparade und nach langem Überlegen habe ich für mich entschieden es wäre an der Zeit die Bloggercommunity aufzurufen ein paar Tipps für andere Reisende niederzuschreiben wie sie in Alltagssituationen beim Reisen vernünftig reagieren können.

 

  1. Einführung
  2. San Salvador
  3. Der Zwischenfall
  4. Meine Lehre – Was Ihr lernen könnt
  5. Blogparade – Alles was man wissen muss


 

Einführung

„El Salvador weist weltweit die höchste Rate gewaltsamer Tötungen auf und liegt dabei seit 2014 vor Honduras. Im Jahresschnitt kommen 16 Menschen pro Tag durch Tötungsdelikte ums Leben. Die Gefahr von Gewaltverbrechen ist überaus hoch, die Hemmschwelle beim Gebrauch von Schuss- oder Stichwaffen niedrig. Es gibt in El Salvador eine sehr hohe organisierte Bandenkriminalität.“ Zitat: Wikipedia.org

 

Ich persönlich bin meist wenig beeindruckt von solchen Statistiken oder Aussagen, schließlich trifft man nur sehr unwahrscheinlich auf Gangmitglieder, da sich diese in Vororten bewegen und nicht wie wir Touristen in sehenswürdigen Teilen des Landes. Eben mit dieser Einstellung reiste ich auch in El Salvador bis zu meiner ersten Begegnung mit einer Gang.

 

San Salvador – eine Hauptstadt ohne viel Reiz

So da bin ich nun in San Salvador, mehr oder weniger gezwungen einen Zwischenstopp einzulegen da die Strecke von Santa Anna im Westen und El Cuco im Osten gerade zu lange für meinen Geschmack ist.

 

Man versucht natürlich das Beste daraus zu machen, also entschied ich mich für einen kleinen Abstecher in das historische Zentrum, welches eine Vielzahl an Parks, Kirchen und anderen Bauten bereithielt. Beeindruckend war die Iglesia Rosadia, ein halbkugelförmiger Zementhaufen von außen jedoch eine interessante Kirche wenn man sich darin befindet. Durch die eingemauerten Farbgläser in den Wänden und dem einstrahlenden Sonnenlicht glänzen die Wände in einem Regenbogenspektrum, welches eine tolle Atmosphäre in der Kirche hervorruft.

 

Neben den unzähligen Einkaufsständen die die Altstadt eher in einen Markt als in ein touristisches Ziel verwandeln, war das das einzige Nennenswerte in San Salvador. Meine Erwartungen waren nicht hoch und somit war ich auch nicht enttäuscht von dieser Hauptstadt El Salvadors.

 

Zum Ende des Tages kaufte ich noch einige Sachen für meine nächste Busfahrt die morgen stattfinden sollte und genau hier fiel mir etwas wirkliches Seltsames auf. Jeder kennt ja diese Süßigkeitenständer vor der Kasse, auf welchen überteuerter Kleinkram angeboten wird. Genau das gibt es auch hier in San Salvador, jedoch genau daneben einen Lebensversicherungsstand.

 

Das interessante oder eher erschreckende für mich waren die Details dieser Versicherung. Der Fakt das auf diesem Zettel Mord durch Feuerwaffen genauso beworben wird wie ein normaler Haushaltsunfall dürfte einiges über dieses Land verraten und das ließ doch einige Fragen in mir aufsteigen. Wie normal muss es für diese Leute hier sein, einen Angehörigen durch eine Schießerei zu verlieren? Etwas bedrückt und nachdenklich marschierte ich zurück zu meiner Unterkunft.

 

Der Zwischenfall

Morgens verließ ich mein Hostel relativ früh um noch einiges an Strecke gut machen zu können bevor es warm wird. An der ersten Busstation frage ich einen Fahrer ob es einen Bus gibt welcher zu dem Terminal fährt, welches den westlichen Teil des Landes abfertigt. Ich hatte Glück, denn genau dieser Bus soll angeblich dort hinfahren, ein guter Start in den Tag der nur besser werden konnte, so mein Gedankengang.

 

Wir entfernten uns immer mehr von der Stadt, natürlich dachte ich mir erst einmal nichts Schlimmes, viele Busstationen sind weiter außerhalb. Die ersten Sorgen überkamen mich als Ganggraffiti an den Hauswänden auftauchte. Die Buchstaben MS stehen in El Salvador für die Gang Mara Salvatrucha und ist wohl eine der gefährlichsten Banden dieser Welt. Ich als Tourist will mich mit all meinem Gepäck natürlich nicht in so einer Umgebung wiederfinden, doch genau hier war ich mich nun. Der Bus fuhr zum Glück noch und ich hoffte darauf das wir schlussendlich noch zu diesem Terminal kommen. Aber alles kam anders.

 

Der Fahrer hielt an einem kleinen Parkplatz, welcher anscheinend als Busstation für dieses Viertel umfunktioniert wurde. Ich befand mich noch immer einen Sitz hinter dem Fahrer, der erst jetzt realisierte, dass ich mich noch immer im Bus befand. Er meinte es wäre für mich besser im Bus zu bleiben bis sein Kollege kommt der zurück in die Stadt fahren würde. Auf die Anfrage wie gefährlich es hier den sein würde, meinte er nur „muy peligroso“, also ein: sehr gefährlich.

 

Also versuchte ich so wenig wie möglich aufzufallen, doch anscheinend war es schon überall bekannt das sich ein Tourist in dieses Viertel verirrt hat den ein Junge, welchen ich einige Straßen vorher gesehen habe kam zu mir in den Bus. Er sagte ich solle doch mitkommen zu seinem Kumpel ein Stückchen weiter unten. Ich konnte diesen Freund sehen er stand neben einem Baum an der Straßenseite und telefonierte nebenbei mit diesem Kerl der mit mir im Bus war.

 

Ab hier fing das Kopfkino an, mir war bewusst sollte ich mit diesem Jungen mitgehen würde ich all mein Hab und Gut verlieren und noch heute heim fliegen können. Panik breitete sich in mir aus und wurde schwummerig, so ähnlich als würde ich gleich einen Kreislaufkollaps erleiden. Mir fiel es langsam schwer mich auf den Beinen zu halten, da die Angst langsam überhand nahm.

 

Dank einer Mischung aus Hartnäckigkeit und „so tun als würde ich die Sprache nicht verstehen“ brachte ihn dazu mich nicht weiterhin aus dem Bus kriegen zu wollen, jedoch stiegen nun immer mehr Leute ein. Schließlich umkreisten mich 5 junge Männer, alle offensichtlich Mitglieder der Mara Salvatrucha. Die nach oben zu geknüpften Hemden waren eines der Markenzeichen dieser Gang.

 

So da saß ich nun, total verunsichert was ich tun sollte. Einige der Jungs fingen an mich total zusammenhangloses Zeug zu fragen, während einer der Anderen an meinem Rucksack herumhantierte. Zum Glück hatte nur meine Zelt das am Backpack befestigt war im Ziel und ließ nach der Inspektion wieder seine Hände davon. Mir war nicht klar wie ich mich verhalten sollte und sagte lediglich: „solo mi ropa“ also „nur meine Klamotten“ um ihm von meinem wirklich teueren Sachen im anderen Rucksack ablenken zu können. Einer seiner Freunde fummelte ständig so herum als würde er ein Messer oder eine Waffe aus seiner Hose holen wollen, mir war klar nach einigen Sekunden klar er wollen mir Angst machen damit sein Kollege mein Zeug durchsuchen konnte, hätte er die Waffe ziehen wollen wäre das längst passiert.

 

Anscheinend konnte ich die Jungs überzeugen, das in meinem Rucksack nichts zu holen ist, nun fingen sie an mich über alles mögliche abfragen zu wollen. Wieso meine Haare den so lang wären, ich wäre ja eine Schlampe beziehungsweise eine Frau, genau auf diese Art von Agression wollte und durfte ich auf keinen Fall eingehen, wurde mir schlagartig klar. So ignorierte ich es weitgehend und tat bei einigen Wörtern wie „puta“ also „schlampe“ so als würde ich es nicht verstehen. Aber nicht jeder der Jungs war derart aggressiv, müsste ich diese 5 jetzt in Gruppen einteilen würde ich sagen 2 hassten mich, eben diese die mich mit der imaginären Waffe bedrohten bzw. diese Schimpfwörter an den Kopf warfen, die anderen 2 waren relativ neutral und lediglich Mitläufer und der Letzte hatte sich glaub ich wirklich für mich interessiert. Mit eben diesem Jungen, sein Name war Antonio versuchte ich so oft wie möglich zu reden, da von ihm in meinen Augen am wenigstens Gefahr ausging. Als ich dann so in die Runde fragte ob die Jungs in einer Gang wären, war ihre Antwort im Chor „Mara Salvatrucha“ und formten mit ihren Händen das M.

 

Irgendwie kamen wir auf das Thema Gras und ob ich den rauchen würde, ich verneinte. Sie redeten weiter über die Preise und ob ich ihnen den was kaufen wollen würde. Hier rangen ein weiteres Mal meine Alarmglocken: würde ich jetzt meinen Geldbeutel mit dem neu abgehobenen 50 Dollar rausholen wäre ich das alles los. Zum Glück habe ich mir seit einigen Tagen angeeignet das ganzes kleine Münzgeld das man in San Salvador bekommt in einer Plastiktüte herumzutragen, damit ich es ausgebe ansteht immer mehr davon anzusammeln. Also zog ich meine Selectos Supermarkttüte heraus mit einigen Dollar und gab den Jungs 2 Dollar.

 

Das Gespräch ging weiter und wechselte jetzt auf Frauen, sie wollten wissen ob ich den schon eine El Salvodarieren gehabt hätte, das verneinte ich, selbst wenn, hätte ich bei dieser Frage Nein gesagt. Ich erkundigte mich wie alt die Jungs den wäre: 18-21 waren sie alt und 2 von ihnen hatten bereits Narben im Gesicht. Langsam aber sicher wurde mir klar das die gefährlichste Zeit vorbei wäre, schließlich unterhält man sich nicht ewig mit jemanden den man ausrauben will. Mein Puls verlangsamte sich deutlich und der Angstschweiß war auch verflogen.

 

Der Busfahrer der stets außerhalb gewartet hatte, stieg endlich ein und ließ den Motor um. Erleichterung stieg in mir auf. Auch die ersten Fahrtgäste stiegen ein. Auffallend war, das jeder die Jungs ignorierte, selbst der Busfahrer der draußen für Minuten gewartet hat, hat kein Wort mit ihnen gewechselt.

 

Der Bus fuhr los, ich immer noch begleitet von den Gangmitgliedern, die natürlich nichts für die Fahrt bezahlten. Nach und nach stiegen die Jungs aus, nur Antonio blieb als Letzter. Ich erfuhr, das er Mechaniker wäre aber auch er wollte das Viertel nicht verlassen und verließ mich.

 

Inzwischen konnte ich alle Fahrtgäste begutachten und ihre verdutzen Gesichter was den ein Gringo hier zu suchen hätte. Ein Mann tippte auf sein T-Shirt um zu signalisieren er wäre bei der Post angestellt, er wollte mir offensichtlich helfen. Er fragte mich wohin ich den wolle. Ich erklärte ihm San Miguel und danach El Cuco. Mir fällt nicht mehr ein wie oft ich zu ihm gesagt habe „estoy loco“ also „ich bin verrückt“ aber es war bestimmt 3mal. Er konnte nur zustimmen.

 

Wir hielten an der Stadtgrenze von El Salvador und er meinte wir müssen hier aussteigen. Gesagt getan, er warf sich übereifrig in den Verkehr, überquerte die Straße mit mir und stoppte ein Polizeitruck. Er fragte noch kurz ob sie mir den was geklaut hätten, ich entgegnete: „2 Dollar für Gras“, er lachte lauthals und verwies mich auf die Polizisten. Diese bieteten mich auf die Ladefläche ihres Trucks und wir fuhren los. Ich bekam also eine 4köpfige Polizeieskorte zu meiner Bushaltestelle.

 

Als ich im Bus nach San Miguel saß, drehten sich meine Gedanken 2 Stunden nur darum wie dumm ich den war…

 

Vielen Dank hier an den Briefträger, dessen Namen ich nie erfahren werde. Den Polizisten den seinen Namen ich vergessen habe und seinen 3 Kollegen die mir alle so sehr geholfen haben.

 

Meine Lehre – was ihr daraus lernen könnt

 

Wieso veröffentliche ich nun diesen Beitrag? Ich habe mir da lange darüber den Kopf zerbrochen, will ich meine eigene Blödheit die mich in diese Situation gebracht hab darstellen? Sicherlich etwas, aber viel mehr will ich anderen Leuten aufzeigen wie gefährlich es werden kann und das zwar ganz schnell.

 

Der Bus den ich nahm startete im Metrocentro, einer Einkaufsmall im Herzen von San Salvador, eine halbe Stunde später steht man in einem dieser Vororte. Ich hab mich die Tage danach, vor allem mit Hostelbesitzern, Restaurants und anderen Reisenden unterhalten. Touristen selbst konnten nicht wirklich glauben was ich ihnen erzählte. Hostelbetreiber und Restaurants meinten die Situation wäre für einen Touristen viel weniger gefährlich als für reiche Einheimische. Wenn Touristen ausgeraubt werden, dann gehen diese zur Botschaft und dann gibt es Aufruhr in den Medien, den natürlich keine Gang will. Ihr einzigstes Ziel ist ihre Drogen ohne großes Aufsehen von A nach B zu kutschieren. Gefährlich wären Leute die eben keiner Gang angehören, da diese keinem Kodex unterliegen und meist wegen Armut so handeln. Auch gingen die meisten relativ locker mit dem Thema: „Schutzgeld“ um, jeder würde es zahlen, den wenn nicht wäre einfach das Restaurant nächste Woche nicht mehr da oder ein Mitarbeiter tot. Viele sehen die MS als zweite Instanz die sogar vor der Polizei steht.

 

Was können nun Reisende von diesem Beitrag lernen?

 

  • Seit nicht alleine unterwegs bei Nacht
  • Passt auf wohin es geht und wo ihr einsteigt
  • Tragt keine Wertsachen sichtbar an euerem Körper
  • Hebt eueren Reisepass sicher auf, er ist mit das Wichtigste das ihr nie verlieren solltet

 

Trotz dieser Erfahrung kann ich El Salvador nur als Reiseland empfehlen, lasst euch nicht ein tolles Land entgehen welches so ist wie Guatemala oder Nicaragua vor 10 Jahren. Wer weg von den Touristenpfaden will ist hier richtig.  Nicht abgeschreckt sein, weil ich einen Fehler gemacht habe der nicht zu entschulden ist.

 

Ihr habt eine Situation erlebt, die ihr im Nachhinein anders gemacht hättet? Teilt sie mit uns um unsere zukünftigen Reisen ein Stück sicherer zu machen. Verliegt diesen Beitrag oder meine Webseite in euere Geschichte und postet eueren Link in die Kommentare.

 

Hoffen wir es kommt eine gute Sammlung zusammen.

Quatschen macht Spaß !